Umfassenster Marktvergleich von IT-Haftpflichtversicherungen im Web

Autor: Dipl.-Kfm. Manfred Vosseler


KuV24, das Versicherungsportal für IT-Experten und IT-Dienstleister, beobachtet seit mehr als 8 Jahren die unterschiedlichen Entwicklungen im IT-Haftpflichtbereich und hat als erster Anbieter überhaupt im Web einen Vergleich für IT-Haftpflichtversicherungen sowohl nach quantitativen wie qualitativen Kriterien entwickelt und veröffentlicht.

Beim letztjährigen Update wurden dieses Mal mehr als 500 Seiten Versicherungsbedingungen geprüft und ausgewertet. Mit Aufnahme von zusätzlichen Bewertungskriterien wie zum Beispiel Versicherungsbeitrag, Deckungssummen (aufgeteilt nach Personenschäden, Sachschäden und Vermögensschäden), Versicherungsumfang („offene" Deckung versus Allgemeine Haftpflicht-Deckung), Beantragungsmodus (Onlineantrag oder Papierantrag), Urheber- und Markenrechtsverletzungen, Einschränkungen bei der Experimentier- und Erprobungsklausel, Schadenersatz bei Leistungsverzögerung, etc. ist der jetzige Vergleich noch umfassender und transparenter geworden. Insgesamt können nun fast 50 verschiedene Kriterien der einzelnen Anbieter miteinander verglichen werden.

Durch die bisher erfolgten Marktvergleiche aus den Jahren 2003 und 2007 sind nun zusammen mit dem IT-Haftpflichtvergleich von 2009 und der kontinuierlichen laufenden Aktualisierungen klare Marktentwicklungen zu erkennen:

IT-Haftpflicht-Anbieter (Auf- und Aussteiger):

Die Zahl der Marktteilnehmer hat sich geringfügig erhöht. So hat die Württembergische im Oktober 2008 eine IT-Haftpflichtversicherung auf den Markt gebracht. In diesem Zusammenhang bietet die Karlsruher-Versicherung Ihre IT-Haftpflichtversicherung „Fundamente" nicht mehr an, da die Karlsruhe-Versicherung von der Württembergischen Anfang 2008 aufgekauft wurde. Als neue Marktteilnehmer sind die Nassauer sowie die LVM-Versicherungen hinzugekommen. Die LVM-Versicherung hat uns, trotz Anfrage, keine Unterlagen zur Verfügung gestellt und konnte deshalb auch im Marktvergleich nicht berücksichtigt werden. Im aktuellen Vergleich wurde versucht je Anbieter drei verschiedene Versicherungsvarianten (kleine, mittlere und große Angebotsvariante) darzustellen. Derzeit bieten lediglich 15 Versicherungsgesellschaften spezielle IT-Haftpflichtversicherungen (insbesondere für IT-Dienstleister und IT-Experten) an.

Von der Anfrage zum Angebot:

IT-Haftpflichtversicherungen stellen für die Versicherungsgesellschaften immer noch ein Nischenprodukt dar und werden für die Erstellung der Angebote sehr bürokratisch behandelt. Die entwickelten Fragebögen für eine Angebotserstellung bilden oft die Realität des Tätigkeitsspektrums der einzelnen IT-Experten nicht ausreichend ab. Oft wäre eine bessere Informationsquelle die jeweiligen Web-Seiten der IT-Dienstleister, um ein risikogerechtes Angebot zu erhalten. Leider beharren die meisten Versicherungsgesellschaften immer noch auf die Fragebögen (ohne Fragebogen - kein Angebot!). Die Servicebereitschaft der Versicherungsgesellschaften ist positiv zu bewerten, da alle Gesellschaften nach Abgabe der Fragebögen und ggf. weiteren Informationen die gewünschten Angebote sehr schnell zur Verfügung stellten.
Bei der R+V sowie bei der Hiscox ist ein sofortiger Versicherungsschutz (endgültiges Angebot) nach Beantwortung von „KO-Fragen" möglich.

Entwicklung der Beitragshöhe:

Im Vergleich zum letzten Update halten sich die Versicherungsprämien auf gleich hohem Niveau. Die neuen Versicherungsanbieter versuchen nicht mit günstigen Beiträgen Marktanteile schnell zu erobern. Nachlässe für Neukunden (Existenzgründer, Start-Ups) werden nun großzügiger eingeräumt, sofern hier auch aktiv danach gefragt wird. Die Nachlässe werden i.d.R. nur befristet eingeräumt (Beispielsweise Victoria gewährt ein Nachlass von 25 % im ersten Versicherungsjahr). Positiv hervorzuheben sind die Prämienreduzierungen bei der R+V und der Hiscox bei einigen Tarifvarianten.

Versicherungssummen (Vermögensschadendeckung):

Angebote zu hohen Vermögensschadendeckungen für IT-Experten und IT-Freiberufler bieten die jeweiligen Versicherungsgesellschaften ohne größere Rückfragen zwischenzeitlich an. Die Beitragszuschläge ab Versicherungssummen in der Größenordnung von € 500.000,00 sind jedoch unverändert hoch. Zumal vorhandene Sublimite (Teilversicherungssummen) bei gewünschten hohen Deckungssummen nicht nach oben angepasst werden (wie z.B. bei Rechtsverletzungen).

Verständlichkeit der Versicherungsbedingungen - VVG-Reform:

Die Versicherungsanbieter haben die Gunst der Stunde nicht genutzt, um im Rahmen der VVG-Reform (Reform des Versicherungsvertragsgesetzes) Ihre Versicherungsbedingungen auf den tatsächlichen Absicherungsbedarf des IT-Freiberuflers anzupassen und verständlicher zu gestalten. Im Rahmen der VVG-Reform (2008) war jeder Versicherer verpflichtet gesetzliche Änderungen in die vorhandenen Versicherungsbedingungen einzuarbeiten und ein aktuelles Bedingungswerk dem Kunden zur Verfügung zu stellen. Damit bleibt es beim traditionellen und komplizierten Aufbau der Bedingungswerke in Form der Allgemeinen Haftpflichtbedingungen (AHB) sowie den besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen (BBR). Nur ein Versicherer bietet sein eigenes Versicherungsbedingungswerk, losgelöst von AHB und BBR, an.
Für einen Versicherungslaien sind die Versicherungsbedingungen der Zurich sowie der Hiscox am besten zu verstehen.

Räumlicher Geltungsbereich:

Fast alle Versicherungsgesellschaften bieten mittlerweile eine weltweite Deckung an. Nach wie vor wird dieser räumliche Geltungsbereich im Rahmen von direkten Exporten (auch bei ASP) und/oder bei Rechtsverletzungen bei bestimmten Gesellschaften, insbesondere nach USA, Kanada, GB eingeschränkt oder sogar explizit ausgeschlossen.

Rechtsverletzungen:

Kein Versicherungsanbieter schließt alle Rechtsverletzungen umfassend ein. Jeder Anbieter deckt lediglich nur Teilbereiche ab oder schreibt für die Eintrittspflicht im Schadenfall bestimmte Rahmenparameter vor (z.B. keine Leistung bei grober Fahrlässigkeit, keine Leistung ohne Vorabrecherche oder Leistungen nur in bestimmten Ländern). Zusätzlich ist die Leistungshöhe oft auf eine niedrigere Versicherungssumme für diesen Teilbereich begrenzt.

Verbraucherunfreundliche Klauseln - unverändert schlecht:

Immer noch nicht verzichten die Versicherungsgesellschaften auf die Experimentier- bzw. Erprobungsklausel, die Technik-Klausel, die Wartungsklausel sowie die Kostenklausel. Diese Klauseln bergen ein großes Streitpotential zwischen Versicherungsnehmer und Versicherungsgesellschaft und schränken den Versicherungsschutz erheblich ein. Nur die Hiscox verzichtet als einzige Versicherungsgesellschaft auf alle diese Klauseln.

RPC-Baustein ("Return of Project Costs"):

Zusätzlich zum klassischen IT-Haftpflichtrisiko bietet ein Versicherer die Absicherung des Eigenschadenrisiko von vergeblichen Aufwendungen durch einen berechtigten Rücktritt des Auftraggebers an. Ist der Kunde nach einigen Verzögerungen und mehrfachem Nachbessern mit der abgelieferten Leistung immer noch nicht zufrieden und tritt vom Vertrag zurück, so können bei einem mehrere Monate dauernden Projekt erhebliche Aufwendungen entstehen. Insbesondere dann wenn Subunternehmer vom IT-Dienstleister für das beauftragte Projekt vorfinanziert wurden. Diese vergeblichen Aufwendungen (abzüglich einer Selbstbeteiligung in Höhe von 10 % der Aufwendungen, mindestens jedoch die im Versicherungsschein vereinbarte Selbstbeteiligung) werden dann über diesen Zusatzbaustein vom Versicherer bis zu einer Leistungsobergrenze von 250.000 € übernommen.

Mitversicherung von Vorumsätzen:

Entsteht aus einem bereits abgewickelten IT-Projekt aus der Vergangenheit im Nachhinein ein Schadenfall, so soll dies die IT-Haftpflichtversicherung abdecken. Bestand zu Beginn des IT-Projektes bereits ein IT-Vertrag, so ist dies unproblematisch. Wird jedoch erst zu einem viel späteren Zeitpunkt die IT-Haftpflichtversicherung abgeschlossen, so sollen idealerweise auch diese Vorumsätze mitversichert gelten. Diese unbegrenzte Mitversicherung von Vorumsätzen aus bereits abgewickelten IT-Projekten bieten nur wenige Gesellschaften ohne weiteren Beitragszuschlag und gesonderte Beantragung an. Einige Versicherungen bieten die rückwirkende Mitversicherung (begrenzter Zeitraum bis zu einem Jahr) gegen einen einmaligen Beitragszuschlag an. Voraussetzung für eine spätere Eintrittspflicht der Versicherungsgesellschaft ist jedoch, dass zum Zeitpunkt des Versicherungsbeginns der Schadenfall noch nicht eingetreten ist!

Vorsorgeversicherung:

Kommen im Laufe eines Versicherungsjahres neue Risiken (z.B. neue IT-Projekte, erweitertes IT-Dienstleistungsspektrum) oder Tätigkeiten hinzu, so sind diese neuen Risiken im Rahmen der sog. Vorsorgeversicherung ohne weitere Meldung an die Versicherungsgesellschaft abgedeckt. Bei diesem Versicherungsbaustein liegt jedoch die Tücke im Detail. Für die Personen- und Sachschäden greift die Vorsorgedeckung bei allen Gesellschaften. Nur bei den wichtigen echten Vermögensschäden gibt es bei den verschiedenen Marktteilnehmern erhebliche Abweichungen. Die Bandbreite reicht hierbei von keiner Mitversicherung bis zur vollständigen Mitversicherung der Vermögensschäden in Höhe der vereinbarten Versicherungssummen im Versicherungsschein.
Über eine sogenannte „offene Deckung" sind alle IT-typischen Tätigkeiten mitversichert. Einschränkungen im Versicherungsschutz sind dann nur noch über klar beschriebene Ausschlüsse geregelt. Es gibt hier Anbieter, die auf den Vorsorgebaustein systembedingt verzichten, aber auch Versicherer die im Rahmen der Vorsorgeversicherung, trotz „offener Deckung" wieder erhebliche Begrenzungen für die reinen Vermögensschäden vornehmen.

Folgeschäden durch Verzug: sehr eingeschränkt versichert.

Die Absicherung von Folgeschäden durch eine Verzögerung bei der Fertigstellung (Verzug), wie er z. B. bei einer umfangreichen Softwareimplementierung entstehen kann, ist nur bei ganz wenigen Versicherungen eingeschlossen. Auch hier ist der Leistungsschluss mit Einschränkungen verbunden. Bei diesen Anbietern entsteht erst dann eine Eintrittspflicht, sofern eine Sachgefahr (Feuer-, Leistungswasser- oder Sturm-Hagelschaden etc.) auf den Verzug zurückzuführen ist. Zusätzlich beharren die Versicherungsgesellschaften noch auf das Bestehen einer Elektronikversicherung. vorgeschrieben.

Unverändert gibt es im KuV24-Marktvergleich nur einen Versicherungsanbieter der alle Folgeschäden durch Verzug ohne Einschränkung versichert. Zudem ist hier der Schadenersatz wegen Nichterfüllung der Leistung, wegen Schlechterfüllung, wegen der Verletzung vertraglicher Nebenpflichten und wegen Verschuldens bei Vertragsverhandlungen abgedeckt. Ein Beschränkung auf konkrete Ereignisse, die eine Verspätung ausgelöst haben gibt es hier nicht.

Der Verfasser behält sich alle Rechte am Artikel vor.
© Diplom Kaufman Manfred Vosseler


ACHTUNG: Die ausgewiesene Versicherungsprämie wurde zwar sorgfältig im Rahmen der jeweiligen Musterausschreibungen recherchiert. Im Einzelfall können sich z.B. durch bestimmte beitragsrelevante Risiken (Versicherungsein- oder ausschlüsse) oder durch Laufzeit-, Bündel-, Kosten- oder befristete Existenzgründerrabatte individuelle Abweichungen zum Marktvergleich ergeben.

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